{"id":206,"date":"2021-11-03T21:57:19","date_gmt":"2021-11-03T20:57:19","guid":{"rendered":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/?p=206"},"modified":"2025-04-22T01:01:38","modified_gmt":"2025-04-21T23:01:38","slug":"die-wollen-nur-spielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/2021\/11\/die-wollen-nur-spielen\/","title":{"rendered":"Die wollen &#8222;nur&#8220; spielen"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2,5 JAHRE<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist ja ein Kinderspiel\u201c, sagen wir, wenn uns etwas besonders leicht f\u00e4llt oder keine gro\u00dfen Anforderungen stellt, und je nachdem schwingt darin Erleichterung oder Geringsch\u00e4tzung mit. Dabei kann man das m\u00fchelose Spielen von Kindern in seiner Bedeutung kaum \u00fcbersch\u00e4tzen \u2013 auch f\u00fcrs Musikmachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beobachten Sie Ihr Kind einmal, wenn es v\u00f6llig ins Spiel mit den Baukl\u00f6tzen oder Playmobil-M\u00e4nnchen versunken ist, nichts mehr um sich her wahrzunehmen scheint und sich dabei selbst mit Ger\u00e4uschen, Dialogfetzen oder kleinen Ges\u00e4ngen begleitet. Oder sehen Sie ihm zu, wenn ein anderes Kind in der N\u00e4he spielt, etwa im Sandkasten. Schaut es sich von dem anderen Kind etwas ab, versucht es auch F\u00f6rmchen zu backen? Oder tun sich die beiden vielleicht sogar zusammen und bauen gemeinsam eine Burg?<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Summ, summ, summ&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied29905-Summ-summ-summ.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der kindlichen Lust am Entdecken und Ausprobieren sind kaum Grenzen gesetzt. Die ersten Spielpartner sind die Eltern, aber sp\u00e4testens mit zwei Jahren interessieren sich Kinder f\u00fcr alles, was Gleichaltrige oder \u00c4ltere tun, und versuchen es spielerisch nachzuahmen oder f\u00fcr sich umzugestalten. Und so beliebig und zuf\u00e4llig ihr Verhalten auf den ersten Blick auch scheint: \u201eZiellos ist das kindliche Spiel nur aus Sicht der Erwachsenen\u201c, stellt der K\u00f6lner Musikp\u00e4dagoge und Musiktherapeut Ludger Kowal-Summek klar. Kinder w\u00fcrden sich im Spiel die Regeln und die Kultur ihrer Umwelt aneignen, sei es in motorischer, kognitiver, sozialer oder auch in sprachlicher und musikalischer Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Experimentieren geh\u00f6rt dazu<\/h3>\n\n\n\n<p>Denn was Kinder im Umgang mit ihrem Spielzeug, im Rollenspiel oder beim Backen und Bauen im Sand an Geschicklichkeit und Verhaltensmustern erlernen oder voneinander abschauen, l\u00e4sst sich auch beim Spiel mit Instrumenten beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sie beispielsweise zum ersten Mal eine Trommel, Klangh\u00f6lzer oder eine Triangel in die Hand bek\u00e4men, erz\u00e4hlt Kowal-Summek, entstehe zun\u00e4chst ein gro\u00dfer L\u00e4rm: \u201eKinder fangen an, auf diesen Instrumenten zu experimentieren. Fr\u00fcher beendete ich diese erste Phase in der Musikalischen Fr\u00fcherziehung oft vorzeitig. Aber dann konnten die Kinder die eigentlichen musikalischen Gestaltungsaufgaben nicht so gut bew\u00e4ltigen. Mir wurde klar, dass Musikinstrumente mit ihrer besonderen Bauweise und ihrem speziellen Klang eine hohe Spannung in den Kindern erzeugen, die sich erst mal l\u00f6sen muss. Das braucht Zeit.\u201c Erst wenn die Kinder ein paar Minuten Zeit zum Experimentieren gehabt h\u00e4tten, k\u00f6nnten sie bereit sein, gemeinsam etwas auszuprobieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Der Kuckuck und der Esel&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30313-Der-Kuckuck-und-der-Esel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ob beim gemeinsamen Liedersingen, beim Tanzen zu Klavierbegleitung oder beim Vertonen von Geschichten und M\u00e4rchen mit Kl\u00e4ngen und Ger\u00e4uschen \u2013 durch das Erkunden der eigenen Phantasien und M\u00f6glichkeiten k\u00f6nnen Kinder viele ganz unterschiedliche Fertigkeiten erwerben, so Kowal-Summek. Wichtig dabei sei allerdings der eigene innere Antrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn ich als P\u00e4dagoge die Situation kontrolliere und bestimme, ist der freiwillige oder selbst\u00e4ndige Anteil der Kinder nicht hoch. Dann tun sie nur das, was ich gerne h\u00e4tte. Wenn ich aber nicht meinen Stoff durchziehe, sondern mich an den Kindern orientiere, gebe ich ihnen die M\u00f6glichkeit, etwas zum Unterricht beizutragen. Dann schlagen sie von sich aus zum Beispiel ein Instrument oder ein Lied vor, das ich dann spontan mit einbeziehe.\u201c<br>F\u00fcr Kowal-Summek ist dieses Interesse der Kinder an eigener Gestaltung die Voraussetzung f\u00fcr alle sp\u00e4teren Lernschritte im Zusammenhang mit Musik: Wiederholen, sich Auseinandersetzen, gelegentlich auch Scheitern und wieder neu Beginnen. Die Herausforderung f\u00fcr alle P\u00e4dagogen hei\u00dft, die Lust am Lernen anzuregen und zu erhalten. \u201eDas brauchen wir grunds\u00e4tzlich in unserem Leben: Ich setze mich ein f\u00fcr das, was mich interessiert, egal ob ich spiele oder lerne.\u201c Der p\u00e4dagogische Einstieg sei entscheidend.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Spielen als Grundlage f\u00fcrs Lernen<\/h3>\n\n\n\n<p>Ludger Kowal-Summek hat erfahren, wie sehr die spielerisch gesammelten musikalischen Eindr\u00fccke die Kinder motivieren, sich auch nach der Musikalischen Fr\u00fcherziehung mit Musik zu besch\u00e4ftigen und etwa ein Instrument zu erlernen. Dabei m\u00fcsse man Kleinkindern nicht schon s\u00e4mtliche Grundkenntnisse beibringen. Allein das Wiedererkennen, etwa von Melodien, Instrumenten oder auch einem Notenschl\u00fcssel, sei wertvoll.<br>Auch im sp\u00e4teren Musikunterricht sei ein abruptes Umschwenken auf eine leistungs- und lernbezogene p\u00e4dagogische Methode nicht sinnvoll \u2013 der st\u00e4rkste Motor f\u00fcr den Erwerb von Wissen und K\u00f6nnen ist die Bereitschaft und Neigung eines Kindes dazu. Darum: diese spielerische Komponente \u2013 die im Miteinander einer Kita-Gruppe oder der Familie oft noch viel st\u00e4rker erlebt wird \u2013 kann bis ins Grundschulalter hinein nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden und l\u00e4sst sich weder durch die W\u00fcnsche der Eltern noch den Ehrgeiz von P\u00e4dagogen ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Wei\u00dft du, wie viel Sternlein stehen&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied27784-Weisst-du-wie-viel-Sternlein-stehen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Denn das kindliche Spiel ist nicht nur sehr vielgestaltig, sondern im Spiel entwickelt das Kind auch eigene Erfahrungen und schafft sich dadurch eine Basis f\u00fcr sp\u00e4tere, auch musikalische, Interessen. Das macht schlie\u00dflich einen entscheidenden Teil seines Reizes und seiner Wirkung auf die Entwicklung der kindlichen Pers\u00f6nlichkeit und Auffassungsgabe aus!<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn Ihr Kind zun\u00e4chst keine Neigung zeigt, ein zweiter Mozart zu werden: erm\u00f6glichen Sie ihm die aktive Begegnung mit Musik. Lassen Sie es in eine musikalische Fr\u00fcherziehungsgruppe oder eine musikalisch aktive Kita gehen und verschiedene Instrumente ausprobieren. Singen und spielen Sie selbst mit ihm, lassen Sie es dabei auch die Regie \u00fcbernehmen und Vorschl\u00e4ge machen. \u00dcber die Freude am Entdecken und Gestalten hinaus entwickelt Ihr Kind so ein pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zu Musik, allein oder im Zusammenspiel mit Ihnen und anderen Kindern \u2013 und das ist ein Gewinn!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Diplom-P\u00e4dagoge, Diplom-Musikp\u00e4dagoge und Musiktherapeut Dr. Ludger Kowal-Summek unterrichtet seit 1983 als Lehrer f\u00fcr Musikalische Fr\u00fcherziehung, musikalische Grundausbildung und Gitarre sowie im Rahmen der Behindertenarbeit an der St\u00e4dtischen Clara-Schumann-Musikschule in D\u00fcsseldorf. Seit 1996 ist er Lehrbeauftragter f\u00fcr Erziehungswissenschaft, Allgemeiner Musikdidaktik, Didaktik der Musikalischen Fr\u00fcherziehung\/Grundausbildung und P\u00e4dagogischer Psychologie an der Robert-Schumann-Hochschule D\u00fcsseldorf. Von 2004 bis 2007 vertrat er den Lehrstuhl f\u00fcr Heilp\u00e4dagogische Musikerziehung\/ Musiktherapie an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln, seit 2007 ist er Fachvertreter des Bereichs im Institut f\u00fcr Musikp\u00e4dagogik an der Humanwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise:<\/strong><br>Ludger Kowal-Summek: Spiel und Musik in der musikalischen Fr\u00fcherziehung unter besonderer Ber\u00fccksichtigung psychoanalytischer Erkenntnisse; Centaurus Verlag &amp; Media, Herbolzheim 2006<br>Ders.: Es war einmal vor langer Zeit. M\u00e4rchen im Musikunterricht in der Grundschule. In: Grundschule Musik (2011) 60, S. 4-7<br>Ders.: In der Welt der Gef\u00fchle. Kindliches F\u00fchlen und Musikp\u00e4dagogik. In: Klein &amp; gro\u00df (2007) 11, S. 35-39<\/p>\n\n\n\n<p>Liedbeitr\u00e4ge mit freundlicher Genehmigung von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">LIEDERPROJEKT.ORG<\/a>, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2. Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo\u00a0<a href=\"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/elterninfos\/25-jahre\/\">2,5 JAHRE<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2,5 JAHRE \u201eDas ist ja ein Kinderspiel\u201c, sagen wir, wenn uns etwas besonders leicht f\u00e4llt oder keine gro\u00dfen Anforderungen stellt, und je nachdem schwingt darin Erleichterung oder Geringsch\u00e4tzung mit. Dabei kann man das m\u00fchelose Spielen von Kindern in seiner Bedeutung kaum \u00fcbersch\u00e4tzen \u2013 auch f\u00fcrs Musikmachen. 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