{"id":203,"date":"2021-11-03T21:56:05","date_gmt":"2021-11-03T20:56:05","guid":{"rendered":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/?p=203"},"modified":"2025-04-22T01:01:49","modified_gmt":"2025-04-21T23:01:49","slug":"musik-als-teil-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/2021\/11\/musik-als-teil-des-lebens\/","title":{"rendered":"Musik als Teil des Lebens"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2,5 JAHRE<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zwei- und Dreij\u00e4hrigen laufen und h\u00fcpfen mit Wonne durch den Rhythmikraum der Musikhochschule, denn gerade singt ihnen die P\u00e4dagogin ein Lied \u00fcber L\u00f6wenzahnsamen im Wind und \u00fcber Fr\u00f6sche vor. Diese Verbindung von Musik, Bewegung und Sprache ist nicht nur das typische Merkmal der Rhythmik, sie hilft auch, den Zugang zu Musik zu finden, wie Reinhard Ring erkl\u00e4rt. Der Professor f\u00fcr Rhythmik hat sich in verschiedenen Projekten eingehend mit der musikalischen und motorischen Entwicklung von Kindern befasst.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Herr Professor Ring, was verspricht man sich von rhythmisch-musikalischer Erziehung?<\/strong><\/em><br>Die Verbindung von Musik und Bewegung kann Musikalit\u00e4t besonders f\u00f6rdern, unter anderem&nbsp; weil die Gehirnregionen, die f\u00fcr die Motorik und das H\u00f6ren zust\u00e4ndig sind, nah beieinander liegen. So kann eine Beeinflussung stattfinden. Wenn ein Kind zum Beispiel kein Verh\u00e4ltnis zum Tempo hat, dann kann die Bewegung, die ja mehr oder weniger automatisch geschieht, die Tempowahrnehmung verbessern. Gl\u00fccklicherweise ist das Bed\u00fcrfnis, sich zu Musik zu bewegen, gerade bei kleineren Kindern ohnehin besonders ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Auf einem Baum ein Kuckuck sa\u00df&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30312-Auf-einem-Baum-ein-Kuckuck-sass.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Wie k\u00f6nnen im Alter zwischen zwei und drei Jahren musikalisch-rhythmische Kurse aussehen? Und was lernen die Kinder dabei?<\/strong><\/em><br>Man kann sich nach dem richten, was Kinder ohnehin gerne tun. Sie lieben in diesem Alter zum Beispiel die so genannten Stoppspiele, nach dem Motto: &#8222;So lange die Musik spielt, bewegt ihr euch, und wenn die Musik aufh\u00f6rt, stoppt ihr &#8222;. Die Kinder lachen bei ihrem ersten Stoppspiel oft. Sie finden es komisch, aber auch sehr eindrucksvoll, und wiederholen es immer wieder gerne.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem Spiel k\u00f6nnen sie zum Beispiel ihr Reaktions- und Koordinationsverm\u00f6gen trainieren. Zweitens unternehmen sie grunds\u00e4tzlich gerne etwas mit anderen Kindern zusammen, auch darauf kann man eingehen. Und drittens k\u00f6nnen wir Ger\u00e4te, Objekte oder Instrumente im Kurs verwenden, die zum einen T\u00f6ne von sich geben und sich zum anderen f\u00fcr die Bewegung zu Musik benutzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesen Spielen geht es um Geh\u00f6r, Bewegung und Geschicklichkeit. Und zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag passiert in dieser Hinsicht sehr viel. Beim Stoppspiel lernen Kinder zum Beispiel, sich zu steuern, das brauchen sie im Alltag sowieso. Sie wissen selbst, wie wichtig es ist, dass sie lernen \u2013 wie etwa im Stra\u00dfenverkehr \u2013, pl\u00f6tzlich anzuhalten und dann wieder weiterzugehen. Wenn sie das beherrschen, empfinden sie ein Gl\u00fccksgef\u00fchl, denn sie m\u00f6chten sich ja so bewegen k\u00f6nnen wie die \u00c4lteren, zum Beispiel m\u00fchelos laufen und h\u00fcpfen. Und das lernen sie mit der Rhythmik schneller. Nat\u00fcrlich nicht wie in einer Schulstunde, aber die Kinder sind sehr motiviert, aufmerksam und ernsthaft dabei.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Warum geht das mit Musik leichter?<\/strong><\/em><br>Zum einen \u00fcbertragen die Kinder musikalische Vorg\u00e4nge auf ihre Grobmotorik. Das einfachste Beispiel daf\u00fcr \u2013 was Zweij\u00e4hrige schon sehr gut k\u00f6nnen \u2013 ist das Springen auf beiden Beinen. So w\u00fcrden Kinder sonst eigentlich nicht springen, weil es kaum einen Anlass daf\u00fcr gibt. Aber wenn sie eine Tarantella h\u00f6ren, also eine Musik, die in ihnen viel Bewegungsdrang und Energie ausl\u00f6st, machen sie gerne mit, weil diese Bewegung zu dieser Musik passt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Hab ne Tante aus Marokko&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30299-Hab-ne-Tante-aus-Marokko.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen nicht, dass sie sich einfach nur b\u00fccken und wieder strecken, sondern wir animieren sie auch musikalisch dazu, etwa mit einer Lotusfl\u00f6te, deren Klang so \u201abooiiinng\u2018 auf- und absteigt. Das klingt witzig und gef\u00e4llt Kindern, und nach einer Weile beugen und strecken sie sich auch ohne Anleitung zu dieser Musik. Sie lernen eine Musik also erst einmal \u00fcber Geh\u00f6r und Bewegung kennen.<br>Das macht es ihnen zum anderen leichter, sich etwa den Namen eines Instruments zu merken oder den eines Tiers, das mit einer bestimmten Musik beschrieben wird: die trippelnde Maus, der h\u00fcpfende Frosch oder der schwergewichtige Elefant. Und wir haben auch festgestellt, dass es hilfreich ist, wenn man viel im Sprechgesang mit den Kleinen kommuniziert. Auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen, verstehen sie die Sprachmelodie oder auch eine Liedmelodie, und wiederholen sehr schnell, was man ihnen vorspricht oder \u2013singt. Die Freude an diesem Singsang ist der erste Schritt, auch Lieder zu singen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>In Ihrem Projekt mit Krippenkindern sind keine Eltern dabei, und auch die Erzieherinnen machen nicht selbst beim Programm mit. Weshalb?<\/strong><\/em><br>Das ganze Projekt steht unter dem Aspekt: Was ist der Vor- oder Nachteil, wenn wir nur mit den Kindern arbeiten? Es ist gut, dass es so viele Eltern-Kind-Gruppen gibt, aber Krippen oder andere Kindergruppen haben ihre eigenen Vorz\u00fcge. Denn heute gibt es viel weniger M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kinder, zum Beispiel auf der Stra\u00dfe \u2013 wie ich noch \u2013 voneinander abzugucken und zu spielen. Au\u00dferdem wachsen sehr viele Kinder als Einzelkinder auf, so dass das voneinander Lernen haupts\u00e4chlich in organisierten R\u00e4umen, etwa einer Krippe, stattfindet.<br>Und wir haben festgestellt, dass Krippenkinder auf diesem Gebiet den anderen sehr weit voraus sind. Denn Kinder sind grunds\u00e4tzlich neugierig aufeinander, auch schon vor dem zweiten Geburtstag, und spielen gern mit anderen, vor allem wenn sie auf einem \u00e4hnlichen Level sind. In Eltern-Kind-Gruppen legen sie die Elternfixierung nie ganz ab. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Mutter oder Vater sowieso schon alles, so dass die Kinder manchmal sogar lieber die Gro\u00dfen mitmachen lassen, anstatt selbst etwas zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann den Nachteil haben, dass Kinder in dem Alter noch nicht lernen, sich den anderen Kindern gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen und zu erfahren, wie toll es ist, wenn man zum Beispiel zu zweit mit einem Seil spielt. Oft wird auch ein Kind von den anderen mitgezogen, zum Beispiel beim gemeinsamen Spiel auf einer Tischtrommel: Alle achten darauf, dass zum Beispiel bei einer Geschichte der dazu passende Klang entsteht, und machen untereinander Bemerkungen wie \u201aleise\u2018 oder \u201apschscht\u2018. Sie brauchen dann die Gruppenleiterin oder den -leiter nicht mehr, um gemeinsam Musik zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Wie k\u00f6nnen sich Eltern dann an den Kursen beteiligen?<\/strong><\/em><br>Eltern sind nach wie vor eine sehr gro\u00dfe Hilfe. Sie m\u00fcssen sich nur \u00fcber ihre Rolle im Klaren sein. Selbst in Eltern-Kind-Gruppen bitten wir sie \u2013 nat\u00fcrlich nach Absprache \u2013 immer wieder, zwischendurch f\u00fcr ein paar Minuten hinauszugehen, damit die Kinder nicht sofort auf die Eltern ausweichen, wenn etwas schwierig ist oder nicht gleich gelingt, sondern auch eine bestimmte Frustration auszuhalten lernen. Den Kindern erz\u00e4hlen wir, dass wir gemeinsam mit ihnen etwas ausprobieren wollen, was anschlie\u00dfend den Eltern vorgef\u00fchrt wird. Dieses allein Ausprobieren wird f\u00fcr die Kinder mit zunehmendem Alter immer reizvoller.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Br\u00fcderchen, komm, tanz mit mir&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30120-Bruederchen-komm-tanz-mit-mir.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem helfen uns Eltern sehr, wenn sie mit den Kindern die Lieder auch zuhause singen, die Spiele mit ihnen machen und nach einem Kurs nicht nur fragen &#8222;Hat&#8217;s Spa\u00df gemacht?&#8220; Es ist wichtig, dass Eltern wissen wollen, was die Kinder Neues erlebt haben, damit die Kinder nicht das Gef\u00fchl bekommen, jetzt ist ein Unterhaltungsprogramm vorbei und bald&nbsp; kommt das n\u00e4chste. Denn dann bleiben sie nicht bei der Sache und entwickeln kein Durchhalteverm\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Ziel und das der Eltern und der Krippen ist ja, dass Musik in den Alltag integriert wird, dass Kinder zum Beispiel auch einmal f\u00fcr sich selbst singen.<br>Am sch\u00f6nsten ist f\u00fcr uns nat\u00fcrlich, wenn die Eltern selbst Musik machen oder zumindest gerne singen und Musik h\u00f6ren. Denn als Vermittler sind sie noch wichtiger als wir es in diesen kurzen Stunden sein k\u00f6nnen. Musikalisierung kann es nur geben, wenn Erwachsene den Kindern selbst vermitteln, dass Musik zum Leben geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Reinhard Ring lehrt als Professor f\u00fcr Rhythmik an der Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH). Des Weiteren h\u00e4lt er Vortr\u00e4ge zu musikp\u00e4dagogischen Themen und gibt Kurse in Europa, Amerika und Asien. Das Gespr\u00e4ch entstand auf der Grundlage des Projekts \u201eMusikalisch-motorische Entwicklung von zweij\u00e4hrigen Krippenkindern\u201c an der HMTMH.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweise:<\/strong><br>Reinhard Ring: Musik und Rhythmik im Kindergarten<br>In: Zukunft Kindergarten. Themen und Konzepte von 10 ExpertInnen der Elementarp\u00e4dagogik, Gabal, Offenbach\/Main 2002<br>Weitere Literatur unter&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.reinhardring.de\/vita.htm\">WWW.REINHARDRING.DE\/VITA.HTM<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Liedbeitr\u00e4ge mit freundlicher Genehmigung von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">LIEDERPROJEKT.ORG,<\/a>\u00a0einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2. Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo\u00a0<a href=\"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/elterninfos\/25-jahre\/\">2,5 JAHRE<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2,5 JAHRE Die Zwei- und Dreij\u00e4hrigen laufen und h\u00fcpfen mit Wonne durch den Rhythmikraum der Musikhochschule, denn gerade singt ihnen die P\u00e4dagogin ein Lied \u00fcber L\u00f6wenzahnsamen im Wind und \u00fcber Fr\u00f6sche vor. Diese Verbindung von Musik, Bewegung und Sprache ist nicht nur das typische Merkmal der Rhythmik, sie hilft auch, den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":261,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,41],"tags":[48,39,49,51,43,57,60,73],"class_list":{"0":"post-203","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-25-jahre","8":"category-entwicklung","9":"tag-48","10":"tag-5-jahre","11":"tag-bewegung","12":"tag-eltern","13":"tag-entwicklung","14":"tag-hoeren","15":"tag-kommunikation","16":"tag-sozialverhalten","17":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=203"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1470,"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203\/revisions\/1470"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/261"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}