{"id":175,"date":"2021-11-03T21:39:30","date_gmt":"2021-11-03T20:39:30","guid":{"rendered":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/?p=175"},"modified":"2025-04-22T00:54:48","modified_gmt":"2025-04-21T22:54:48","slug":"babyfreundlich-was-heisst-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/2021\/11\/babyfreundlich-was-heisst-das\/","title":{"rendered":"&#8222;Babyfreundlich&#8220; &#8211; was hei\u00dft das?"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;9. SCHWANGERSCHAFTSMONAT<\/p>\n\n\n\n<p>Sind Sie noch auf der Suche nach \u201eIhrem\u201c Krankenhaus? Und was ist Ihnen dabei besonders wichtig? Eine Geb\u00e4rwanne oder ein Hebammenkrei\u00dfsaal? Immer wieder st\u00f6\u00dft man auch auf ein \u201ebabyfreundliches Krankenhaus\u201c, fr\u00fcher hie\u00dfen die Einrichtungen \u201estillfreundlich\u201c. Das entsprechende Zertifikat ist an verbindliche Standards gebunden, erkl\u00e4rt der Krefelder Gyn\u00e4kologe J\u00f6rg Baltzer im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Herr Professor Baltzer, 1991 wurde die Initiative \u201eBabyfreundliches Krankenhaus\u201c von der Weltgesundheitsorganisation WHO und vom Kinderhilfswerk Unicef gegr\u00fcndet. Aus welchem Grund hat sich die Frauenklinik im Klinikum Krefeld an dieser Initiative beteiligt?<\/strong><\/em><br>Ich bin 1989 von M\u00fcnchen als Direktor der Frauenklinik nach Krefeld gekommen. Im M\u00fcnchen hatte ich schon Fr\u00e9d\u00e9rick Leboyer kennen gelernt, der sich intensiv um die so genannte sanfte Geburt bem\u00fchte, und Michel Odent, dem es um Schmerzerleichterung unter der Geburt ging. Auch meinem Vater, der selbst Gyn\u00e4kologe und Geburtshelfer war, lag viel an diesem Thema. Ich war also schon vorbelastet.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Ade zur guten Nacht&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied29227-Ade-zur-guten-Nacht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Damals wurde in Krefeld das Kinderzimmer noch mit Vorh\u00e4ngen zugeh\u00e4ngt und abgeschlossen, und die Mutter durfte nur zu den Besuchszeiten hinein. Man dachte, das sei wegen der Hygiene n\u00f6tig, und f\u00fcrchtete, die Kinder k\u00f6nnten vertauscht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir f\u00fchrten das Rooming-in ein, die Unterbringung der Kinder bei ihren M\u00fcttern. Denn ich wollte nicht nur Patientinnen, die etwa wegen einer Risikoschwangerschaft kommen mussten \u2013 ich war Spezialist f\u00fcr Hochrisikoschwangerschaften \u2013, sondern auch welche, die kommen wollten. Dann h\u00f6rte ich von der WHO-Initiative und stellte nach einem Blick in deren Unterlagen fest, dass es bei uns noch weitere Defizite hinsichtlich einer familienorientierten Geburt gab, die beseitigt werden mussten. Die erste Zertifizierung als \u201ebabyfreundliches Krankenhaus\u201c bekamen wir dann im Jahr 2000. Danach haben wir uns immer wieder zertifiziert.<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Was sind die Merkmale eines \u201ebabyfreundlichen\u201c Krankenhauses?<\/strong><\/em><br>Schon in der Schwangerschaft werden beide Eltern informiert. Ich habe zum Beispiel in Krefeld zusammen mit der Verbraucherzentrale und mit Versicherungen eine Informationsreihe herausgegeben. Und es ist immer jemand im Haus, der die Kurse zur Schwangerenvorsorge h\u00e4lt.<br>Bei der Entbindung sehen wir zu, dass der direkte Kontakt von Eltern und Kind m\u00f6glichst rasch und durchgehend hergestellt wird. Rooming-in unterst\u00fctzt die Mutter-Kind-Bindung, und auch der Vater wird mit einbezogen. Fr\u00fcher dachte man, Mutter und Kind m\u00fcssten sich getrennt von der anstrengenden Geburt erholen, und der Vater durfte aus hygienischen Gr\u00fcnden auf keinen Fall bei der Geburt dabei sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem unterst\u00fctzen wir die M\u00fctter beim Stillen, nicht im Sinn einer Ideologie, sondern durch Beratung, etwa wenn das Kind Schwierigkeiten beim Saugen hat. Das Stillen bringt dem Kind Vorteile, etwa die Stabilisierung der Immunabwehr, weniger Magen-Darm-Erkrankungen und weniger Infektionen. Au\u00dferdem bedeutet es nicht nur Ern\u00e4hrung, sondern auch Zuwendung. Nach der Geburt gibt es weiterhin Beratung, dazu Stillgruppen und eine Stillhotline, so dass ein Netzwerk f\u00fcr die junge Familie entsteht. Das ist alles recht aufw\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Besondere an den babyfreundlichen Krankenh\u00e4usern ist aber vor allem, dass die unterschiedlichen Berufsgruppen, also Hebammen, Kinderschwestern und Stationsschwestern, zusammenarbeiten. So erfahren M\u00fctter eine einheitliche Beratung und ein abgestimmtes Vorgehen. Der Personalaufwand dabei ist recht hoch. Aber die Belegungszahlen in Krefeld wurden deutlich besser, weil die Zufriedenheit gestiegen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Taler, Taler, du musst wandern&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30243-Taler-Taler-du-musst-wandern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Sie haben im Klinikum Krefeld auch Liederb\u00fccher an junge Eltern verteilt. Weshalb?<\/strong><\/em><br>In meiner eigenen Familie hat das Singen eine gro\u00dfe Bedeutung. Ich war das j\u00fcngste von f\u00fcnf Geschwistern, mein Vater war im Krieg, mein \u00e4ltester Bruder Luftwaffenhelfer. Meine Mutter floh mit dem Rest der Familie vor den Bomben zu Verwandten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gemeinsame abendliche Singen aus dieser Zeit ist mir unvergesslich, weil es uns, der geflohenen Familie, eine au\u00dferordentliche Geborgenheit gab. Und im Gegensatz zu anderen Spielen wie Mensch-\u00e4rgere-dich-nicht oder Romm\u00e9 gewinnt oder verliert beim gemeinsamen Singen keiner, es ist einfach ein gemeinsames Erleben. Auch heute kann das gemeinsame Singen als Ritual einer jungen Familie durchaus Geborgenheit vermitteln in einer Welt, die nicht viel Geborgenheit bietet.<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Wann sollten sich werdende Eltern um eine Klinik oder einen Arzt bem\u00fchen, vielleicht auch um eine Hebamme, und was sollten sie dabei beachten?<\/strong><\/em><br>Schwangerschaftskurse werden ab etwa der 28. Woche angeboten. Werdende M\u00fctter oder Eltern sollten den Kurs m\u00f6glichst in der Klinik besuchen, in der sp\u00e4ter auch die Entbindung stattfindet. Dabei ist es f\u00fcr beide Partner besser, wenn der Vater nicht erst in den Krei\u00dfsaal mitkommt, sondern schon am Vorbereitungskurs teilgenommen hat.<br>Zweitens sollte das Krankenhaus eine enge Kooperation zu einer Kinderklinik haben. Es muss nicht gleich ein Perinatalzentrum sein, aber wenn Probleme auftauchen, sollte sofort ein Ansprechpartner zur Verf\u00fcgung stehen. Wichtig ist au\u00dferdem eine fachliche Betreuung rund um die Uhr, auch vonseiten der An\u00e4sthesie, damit zum Beispiel Periduralan\u00e4sthesie oder Epiduralan\u00e4sthesie zur Schmerzerleichterung angeboten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Mein Hut, der hat drei Ecken&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30124-Mein-Hut-der-hat-drei-Ecken.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kliniken bieten ihr Programm im Internet an, nur muss man sich fragen, wie realistisch diese Darstellungen sind. Eltern sollten sich deshalb in jedem Fall vor Ort informieren und auch den Krei\u00dfsaal ansehen. Wir haben in Krefeld damals zusammen mit den Hebammen der Klinik einen Fragebogen vorbereitet, auf dem die Eltern angeben konnten, worauf bei der Kindsgeburt geachtet werden sollte. Sie konnten zuhause in Ruhe alles ankreuzen und kamen dann mit dem ausgef\u00fcllten Bogen zur Entbindung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Gyn\u00e4kologe Professor Dr. J\u00f6rg Baltzer leitete von 1989 bis 2006 als Direktor die Frauenklinik am Klinikum Krefeld. Seit 2007 ist er Ehrenmitglied der WHO-\/Unicef-Initiative \u201eBabyfreundliches Krankenhaus\u201c. F\u00fcr sein gro\u00dfes soziales Engagement wurde er 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.<br>Es sei im Zusammenhang mit dem Artikel darauf hingewiesen, dass die Zertifizierung als \u201ebabyfreundliches Krankenhaus\u201c&nbsp; u. a. mit hohen Kosten verbunden ist. Daher gibt es viele Krankenh\u00e4user, die nicht zertifiziert im Sinn der WHO-Initiative sind, aber nach gleichen oder vergleichbaren Standards bei der Betreuung von Schwangeren, Eltern und Kindern arbeiten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Liedbeitr\u00e4ge mit freundlicher Genehmigung von&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">LIEDERPROJEKT ORG<\/a>, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2. Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;<a href=\"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/elterninfos\/9-schwangerschaftsmonat\/\">9. SCHWANGERSCHAFTSMONAT<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;9. SCHWANGERSCHAFTSMONAT Sind Sie noch auf der Suche nach \u201eIhrem\u201c Krankenhaus? Und was ist Ihnen dabei besonders wichtig? Eine Geb\u00e4rwanne oder ein Hebammenkrei\u00dfsaal? 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