{"id":153,"date":"2021-11-03T21:26:23","date_gmt":"2021-11-03T20:26:23","guid":{"rendered":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/?p=153"},"modified":"2025-04-22T00:52:31","modified_gmt":"2025-04-21T22:52:31","slug":"die-reifung-der-sinne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/2021\/11\/die-reifung-der-sinne\/","title":{"rendered":"Die Reifung der Sinne"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;5.\/6. SCHWANGERSCHAFTSMONAT<\/p>\n\n\n\n<p>Es gluckert, pocht und rauscht im Mutterleib, die Ger\u00e4usche sind sogar ziemlich laut. Das Ungeborene bekommt Verdauung, Herzschlag und Atmung nun hautnah mit, denn ab etwa der H\u00e4lfte der Schwangerschaft beginnt es zu h\u00f6ren. Aber welchen Sinn hat das?<\/p>\n\n\n\n<p>Das H\u00f6rsystem des Kindes muss sich schon im Mutterleib entwickeln, um auf die Anforderungen nach der Geburt vorbereitet zu sein. Denn, so der Neurologe und Musiker Eckart Altenm\u00fcller, das H\u00f6ren ist eine hochentwickelte und komplizierte Leistung unserer Sinne, f\u00fcr die fr\u00fchzeitig entsprechende Nervenverbindungen und Netzwerke aufgebaut werden m\u00fcssen. \u201eH\u00f6ren ist nicht wie ein Mikrofon, das nur etwas abbildet, sondern es erschafft eine akustische Welt\u201c \u2013 sogar schon f\u00fcr das Ungeborene (s. a. Interview).<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Taler, Taler, du musst wandern&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30243-Taler-Taler-du-musst-wandern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Jedes H\u00f6ren l\u00f6st Nervenimpulse aus, die an das Hirn weitergef\u00fchrt und dort an mehrere Schaltstationen umgeleitet werden, aber erst die entsprechenden Netzwerke im Nervensystem verwandeln diese Signale zu einem H\u00f6reindruck. In Zahlen hei\u00dft das: Der H\u00f6rreiz einer einzigen Sinneszelle im Innenohr wird von 60 Millionen Nervenzellen bearbeitet!<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein System wird aufgebaut<\/h3>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr hat unser H\u00f6rsystem Millionen von Jahren gebraucht. Eine Vorform unseres Ohrs und Gleichgewichtsorgans erkennen wir an Fischen. Mit ihrem Seitenlinienorgan, einer Art Trommelfell, k\u00f6nnen sie Bewegungen, Richtungs- und Lautst\u00e4rkenver\u00e4nderungen im Wasser wahrnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich die Entwicklung der Arten in den letzten 600 Millionen Jahren in einem Zeitraffer vorstellt, sieht Folgendes: Das Trommelfell wandert in Richtung Kopf und st\u00fclpt sich dort ein, nach und nach entwickeln sich der \u00e4u\u00dfere Geh\u00f6rgang und das Mittelohr, die H\u00f6rschnecke im Innenohr und schlie\u00dflich das Gleichgewichtsorgan.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Suse, liebe Suse (Eia popeia)&#8220;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30309-Suse-liebe-Suse.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung des Ohrs macht jeder menschliche Fetus ganz am Anfang seiner Entwicklung durch. Aber schon ab etwa der dritten Schwangerschaftswoche baut sich die H\u00f6rschnecke auf, die ersten Sinneszellen einige Wochen sp\u00e4ter, und einige weitere Wochen dauert es, bis Sinneszellen und Nervenzellen miteinander verbunden sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">H\u00f6ren lernen f\u00fcr sp\u00e4ter<\/h3>\n\n\n\n<p>Davon abgesehen h\u00f6ren Ungeborene anders als Erwachsene. Zun\u00e4chst nehmen sie vor allem tiefe T\u00f6ne wahr, nach und nach k\u00f6nnen sie auch h\u00f6here Frequenzen h\u00f6ren. Au\u00dferdem sind ihre Nerven zwischen Innenohr und Gehirn noch nicht voll ausgereift. Welchen H\u00f6reindruck Ungeborene also von all dem Gluckern und Klopfen um sie herum \u2013 oder von der Stimme der Mutter \u2013 haben, l\u00e4sst sich nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Schlaf in guter Ruh&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied27816-Schlaf-in-guter-Ruh.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist aber, dass das heranwachsende Kind auf H\u00f6reindr\u00fccke reagiert und dass sich ihm immer wiederkehrende Ger\u00e4usche und H\u00f6rmuster, etwa Gesang und Sprache, einpr\u00e4gen. Der Neurologe und Musikermediziner Eckart Altenm\u00fcller spricht hier von statistischem Lernen. \u201eDie dazugeh\u00f6rigen Nervenverbindungen entstehen unter dem st\u00e4ndigen Einfluss dieser Ger\u00e4usche, zu denen auch die Stimme der Mutter geh\u00f6rt. Das erkl\u00e4rt auch, warum Kinder nach der Geburt genau diese Ger\u00e4usche bevorzugen: weil sie sie im Mutterleib erlernt haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eckart Altenm\u00fcller erforscht die Auswirkungen von Musik auf das Gehirn. An der Staatlichen Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover leitet er das Institut f\u00fcr Musikphysiologie und Musikermedizin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Liedbeitr\u00e4ge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2. Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo\u00a0<a href=\"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/elterninfos\/5-6-schwangerschaftsmonat\/\">5.\/6. SCHWANGERSCHAFTSMONAT<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;5.\/6. SCHWANGERSCHAFTSMONAT Es gluckert, pocht und rauscht im Mutterleib, die Ger\u00e4usche sind sogar ziemlich laut. 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