{"id":143,"date":"2021-11-03T21:12:15","date_gmt":"2021-11-03T20:12:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/?p=143"},"modified":"2025-04-22T00:57:40","modified_gmt":"2025-04-21T22:57:40","slug":"der-weg-zu-sprache-erste-laute-des-kindes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/2021\/11\/der-weg-zu-sprache-erste-laute-des-kindes\/","title":{"rendered":"Der Weg zu Sprache: Erste Laute des Kindes"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2 MONATE<\/p>\n\n\n\n<p>Schreien, das ist das erste, was wir h\u00f6ren, wenn das Kind auf der Welt ist. So teilt es mit, wie es sich f\u00fchlt und was es braucht: Milch, Schlaf, W\u00e4rme, Trost. Aber nun f\u00e4ngt es an, mit seiner Stimme zu experimentieren. Denn mit dem Stimm- und Sprachtraining beginnen Babys schon lange vor dem ersten Wort, erkl\u00e4rt Michael Fuchs vom Universit\u00e4tsklinikum Leipzig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Herr Professor Fuchs, warum schreit ein Neugeborenes erst einmal und gibt keine anderen Laute von sich?<\/em><\/strong><br>Der erste Schrei eines Kindes markiert den Beginn des Spracherwerbs. Ein kleines Kind muss ja erst einmal die Elemente seiner Muttersprache analysieren, abspeichern und erarbeiten, bevor es sie verwenden kann. Diese Grundbausteine der Sprache, also Vokale und Konsonanten, erwirbt es vor allem durch die Vorbildwirkung der Eltern. Erst nach einem bestimmten zeitlichen Vorlauf kann es allm\u00e4hlich Laute der Muttersprache produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Der Kuckuck und der Esel&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30313-Der-Kuckuck-und-der-Esel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Ab wann geben S\u00e4uglinge die ersten Vokale oder Konsonanten von sich?<\/strong><\/em><br>Der erste Vokal, den ein Kind mit seinem Schreien produziert, ist ein a, weil es daf\u00fcr nur den Mund zu \u00f6ffnen braucht. F\u00fcr ein i, e, o oder u muss es schon etwas mehr mit Lippen und Zunge arbeiten. Zu Beginn geben S\u00e4uglinge vor allem Vokale von sich, denn Vokale sind die Tr\u00e4ger der Stimme. Auch beim Singen h\u00f6rt man die Vokale viel l\u00e4nger als die Konsonanten, darin sind sich S\u00e4uglingsstimme und Singen sehr \u00e4hnlich. Nach und nach treten erste Reibeger\u00e4usche auf, beispielsweise wohliges Gurren oder auch Quietschen, das dann schon erste Zischlaute enthalten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Ich geh mit meiner Laterne&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30273-Ich-geh-mit-meiner-Laterne.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sieht der Stimmapparat eines Kindes im Vergleich zu dem eines \u00e4lteren Kindes oder eines Erwachsenen aus?<\/em><\/strong><br>Der Stimmapparat eines Neugeborenen ist genau so aufgebaut wie der eines Erwachsenen, nur die Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse und die Lage der einzelnen Organe unterscheiden sich. Es gibt drei Teile: zum einen die Atmungsorgane, also die Luftr\u00f6hre, die Lungen, die Bronchien und \u2013 als wichtigster Muskel zum Einatmen \u2013 das Zwerchfell. Ich muss ja erst einmal einatmen, damit ich beim Ausatmen singen oder sprechen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt der Kehlkopf mit den Stimmlippen, die den Ton erzeugen. Dar\u00fcber schlie\u00dflich liegen Rachen, Mundraum, Nasenh\u00f6hle und Lippen. Hier bilden wir Vokale und Konsonanten, ver\u00e4ndern aber auch den Ton oder Klang der Stimme.<br>Die Stimme klingt direkt am Kehlkopf deutlich anders, als dort, wo sie die Lippen verl\u00e4sst. Das gilt f\u00fcr S\u00e4uglinge schon ebenso. Im Unterschied zu den Erwachsenen liegt der Kehlkopf bei einem S\u00e4ugling noch viel h\u00f6her. Deswegen klingen auch Erwachsenenstimmen anders als die Stimmen von Jugendlichen oder von kleinen Kindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Gr\u00fcn, gr\u00fcn gr\u00fcn sind alle meine Kleider&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied30253-Gruen-gruen-gruen-sind-alle-meine-Kleider.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Tritt ein Kind \u00fcber sein Schreien oder Gurren schon in Kontakt mit den Eltern?<\/em><\/strong><br>Ja, denn zum einen erfahren wir, wenn es so den Kontakt zur Umwelt aufnimmt, etwas \u00fcber den Gem\u00fctszustand des Kindes. Zum anderen nutzen Kinder aber ihre Stimme schon in den ersten Lebenswochen zunehmend auch dazu, ganz bestimmte Bed\u00fcrfnisse anzuzeigen. So bekommen die Eltern immer klarere Informationen dar\u00fcber, was das Kind gerade m\u00f6chte. Dar\u00fcber m\u00fcssen Eltern nicht nachdenken, sie empfinden meist intuitiv das Richtige. Voraussetzung daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich, dass sie dem Kind zuh\u00f6ren.<br>Vonseiten des Kindes l\u00e4uft das Sprachverst\u00e4ndnis parallel zum Stimm- und Spracherwerb. Alle Eltern beobachten, dass es \u2013 etwas sp\u00e4ter \u2013 einen Zeitraum gibt, in dem das Kind viel mehr versteht, als es selbst stimmlich und sprachlich \u00e4u\u00dfern kann.<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Rolle spielen Eltern bei der stimmlichen Entwicklung ihrer Kinder im S\u00e4uglingsalter?<\/em><\/strong><br>Eine sehr wichtige, wenn nicht sogar die bedeutsamste Rolle. Allein durch den engen K\u00f6rperkontakt zwischen Mutter und Vater und dem Kind \u2013 w\u00e4hrend des Stillvorgangs, w\u00e4hrend des Herumtragens, w\u00e4hrend des in den Schlaf-Singens oder Wiegen \u2013 entstehen enge lokale Beziehungen. Die wichtigen Informationen, die das Kind \u00fcber seine Muttersprache sammeln muss, bekommt es vor allem von seinen Eltern.<br>So lernt ein Kind \u00fcber die Sprachmelodie etwa, dass in der deutschen Sprache am Ende einer Frage die Stimme oft nach oben geht. Diese Elemente der Muttersprache muss das Kind erwerben, um sp\u00e4ter einen Frage- von einem Antwortsatz unterscheiden zu k\u00f6nnen. Auch die anderen Bezugspersonen des Kindes, etwa Gro\u00dfeltern, Onkel, Tante und Geschwister des Kindes, sind wichtige Stimm- und Sprachvorbilder.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;A a vaikuci&#8220; (Litauen)&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/lied33187-A-a-vaikuci.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Michael Fuchs ist Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universit\u00e4tsklinikum Leipzig. Dort veranstaltet er seit 2002 das Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Liedbeitr\u00e4ge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2. Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo\u00a0<a href=\"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/elterninfos\/2-monate\/\">2 MONATE<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2 MONATE Schreien, das ist das erste, was wir h\u00f6ren, wenn das Kind auf der Welt ist. So teilt es mit, wie es sich f\u00fchlt und was es braucht: Milch, Schlaf, W\u00e4rme, Trost. Aber nun f\u00e4ngt es an, mit seiner Stimme zu experimentieren. 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