{"id":113,"date":"2021-11-03T20:46:09","date_gmt":"2021-11-03T19:46:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/?p=113"},"modified":"2025-04-22T01:00:40","modified_gmt":"2025-04-21T23:00:40","slug":"musik-einflussreich-auf-motorik-und-gedaechtnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/2021\/11\/musik-einflussreich-auf-motorik-und-gedaechtnis\/","title":{"rendered":"Musik: einflussreich auf Motorik und Ged\u00e4chtnis"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2 JAHRE<\/p>\n\n\n\n<p>Musik wirkt schon im Mutterleib und tr\u00e4gt nach der Geburt dazu bei, dass die Sinne reifen und die Motorik sich entwickelt. Dabei sollten sich Eltern immer vor Augen f\u00fchren: schon das H\u00f6ren eines Kinderliedes ist musikalisches Lernen. So k\u00f6nnen die Mustererkennung und die Ged\u00e4chtnisbildung gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht das? Ein Kinderlied wie \u201eH\u00e4nschen klein\u201c gliedert sich \u00fcblicherweise in kurze Liedabschnitte, die wiederholt werden (\u201eH\u00e4nschen klein\u201c\/\u201eging allein\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;H\u00e4nschen klein&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/#0-30300#H%C3%A4nschen%20klein%20ging%20allein\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch werden Ged\u00e4chtnisspuren angelegt und durch mehrfaches H\u00f6ren und Singen nach und nach gefestigt. Das Kleinkind erwirbt so ein Grundrepertoire an H\u00f6rmustern, die im Ged\u00e4chtnis abgelegt werden. Lied f\u00fcr Lied wird diese kleine \u201eMusikbibliothek\u201c vergr\u00f6\u00dfert. Sie hilft dem Kleinkind, immer mehr unterschiedliche Melodien und Rhythmen zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Singen und Musizieren k\u00f6nnen aber noch mehr bewirken: Sie bereiten auch spielerisch auf den Spracherwerb vor, denn auch die Sprache besteht ja zu einem wichtigen Teil&nbsp; aus Rhythmen und Melodien. Lallen und Mitjauchzen trainieren die Zunge, Lippen und Stimmlippen, die dadurch f\u00fcr die pr\u00e4zise Aussprache der komplizierten Konsonanten und Vokale gut vorbereitet werden. F\u00fcr manche Evolutionsforscher gilt deshalb: die Rolle der Musik in der menschlichen Entwicklungsgeschichte besteht darin, dass in einem sicheren Rahmen \u2013 auf dem Scho\u00df der Mutter oder des Vaters \u2013 Geh\u00f6r und Ged\u00e4chtnis ge\u00fcbt werden, die dann sp\u00e4ter den Spracherwerb erleichtern. Umgekehrt hilft das Singen und Musizieren aber auch Kindern, die Schwierigkeiten mit dem Sprechen haben!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Musik: wichtig f\u00fcr das soziale Leben<\/h3>\n\n\n\n<p>Zum Musizieren und Singen geh\u00f6rt allerdings noch viel mehr als nur das H\u00f6ren. Musik wird mit dem K\u00f6rper gemacht. Schon Kleinkinder unter einem Jahr bewegen sich rhythmisch zur Musik und haben daran gro\u00dfe Freude! Gerade die einfachen und einpr\u00e4gsamen Rhythmen der Kinderlieder sind hier besonders beliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Auf der Mauer, auf der Lauer&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/#0-30255#Auf%20der%20Mauer,%20auf%20der%20Lauer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wird eine der ganz urspr\u00fcnglichen Funktionen von Musik deutlich: Musik synchronisiert Bewegungen und kann auf diese Weise zur Vertiefung von sozialen Kontakten f\u00fchren. Am Anfang kann es das Hopsen auf dem Schoss der Mutter sein, aber schon im dritten Lebensjahr, also ab dem zweiten Geburtstag, tr\u00e4gt gemeinsames Singen auch zu einer engeren Bindung der Kinder untereinander bei. Der Anthropologe Sebastian Kirschner (s. u.) zum Beispiel zeigte an Untersuchungen mit Krippenkindern, dass gemeinsames Singen zu einer st\u00e4rkeren Hilfsbereitschaft und zu einer besseren Kooperation der Kinder f\u00fchrte als gemeinsame Sport\u00fcbungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Musik als Beziehungserlebnis<\/h3>\n\n\n\n<p>Musik hat also auch eine wichtige soziale Aufgabe in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Sie hilft unser kompliziertes Sozialleben organisieren. Wie einzigartig wir Menschen dabei sind, zeigt sich auch darin, dass wir uns im Gegensatz zu anderen Lebewesen zu einem vorgegebenen Rhythmus synchronisieren und bei Tempowechseln anpassen k\u00f6nnen. Ausnahmen wie der zu Musik rhythmisch tanzende Kakadu \u201eSnowball\u201c best\u00e4tigen die Regel. Hat unser Gehirn daf\u00fcr spezielle Einrichtungen ausgebildet?<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00e4sst sich bislang bei den Kleineren nur sehr schwer untersuchen, aber aus den Befunden an \u00e4lteren Kindern kann man schlie\u00dfen, dass die Ged\u00e4chtnisstrukturen f\u00fcr unsere sehr gro\u00dfe und vielf\u00e4ltige \u201eMusikbibliothek\u201c tats\u00e4chlich einzigartig sind. Musik ist n\u00e4mlich auf vielen verschiedenen Ebenen im Gehirn gespeichert. Sie kann als H\u00f6rgestalt im Schl\u00e4fenlappen abgespeichert werden oder als Bewegungsimpuls in den Bewegungszentren des Gehirns.<br>Musik erzeugt aber auch Emotionen, die in den Emotionszentren tief im Inneren des Gehirns verankert werden. Nur so kann es dazu kommen, dass Musikerfahrungen in der Kindheit \u2013 zum Beispiel \u201eHoppe-Hoppe-Reiter\u201c auf dem Schoss des Vaters \u2013 als Beziehungserlebnis im Ged\u00e4chtnis abgespeichert werden.<br><em>Eckart Altenm\u00fcller<\/em><br>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eckart Altenm\u00fcller erforscht die Auswirkungen von Musik auf das Gehirn. An der Staatlichen Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover leitet er das Institut f\u00fcr Musikphysiologie und Musikermedizin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ho Yim-Chi, Cheung Mei-Chun, Chan Agnes S.: Music Training Improves Verbal but Not Visual Memory: Cross-Sectional and Longitudinal Explorations in Children. Neuropsychology 17: 439-450 (2003).<\/p>\n\n\n\n<p>Sebastian Kirschner and Michael Tomasello: Joint music making promotes prosocial behavior in 4-year-old children. Evolution and Human Behavior, 31, 354-364 (2010)<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas F. M\u00fcnte, Eckart Altenm\u00fcller, Lutz J\u00e4ncke: The musician\u2019s brain as a model of neuroplasticity. Nature Reviews Neuroscience, 3: 473-478 (2002)<\/p>\n\n\n\n<p>Marcel Zentner and Tuomas Eerola: Rhythmic engagement with music in infancy. PNAS: 107, 5768-5773 (2010)<\/p>\n\n\n\n<p>Liedbeitr\u00e4ge mit freundlicher Genehmigung von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">LIEDERPROJEKT.ORG<\/a>, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2. Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo\u00a0<a href=\"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/elterninfos\/2-jahre\/\">2 JAHRE<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;2 JAHRE Musik wirkt schon im Mutterleib und tr\u00e4gt nach der Geburt dazu bei, dass die Sinne reifen und die Motorik sich entwickelt. 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