{"id":105,"date":"2021-11-03T20:39:24","date_gmt":"2021-11-03T19:39:24","guid":{"rendered":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/?p=105"},"modified":"2025-04-22T00:55:23","modified_gmt":"2025-04-21T22:55:23","slug":"mit-musik-ins-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/2021\/11\/mit-musik-ins-leben\/","title":{"rendered":"Mit Musik ins Leben"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;GEBURT<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kind kommt als scheinbar fertiger kleiner Mensch auf die Welt. Schon im Mutterleib hat es erste Erfahrungen gesammelt. Doch mit der Geburt beginnt die eigentliche Lernphase. Zu Beginn erlebt der S\u00e4ugling die Welt fast ausschlie\u00dflich \u00fcber seine Sinneseindr\u00fccke \u2013 Riechen, H\u00f6ren oder Schmecken. Sie sind entscheidend f\u00fcr die weitere Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte annehmen, das Gehirn eines Kindes sei bei der Geburt schon fertig ausgebildet. Forscher wie der Neurologe und Musiker Professor Dr. Eckart Altenm\u00fcller wissen jedoch, dass das Gehirn auch nach der Geburt noch reifen und sich entwickeln muss. Grunds\u00e4tzlich ist die Ausbildung des menschlichen Gehirns nie ganz abgeschlossen; seine Formbarkeit und Aufnahmef\u00e4higkeit bleibt bis ins hohe Erwachsenenalter erhalten. Selbst die Nervenzellen und die neuronalen Strukturen als Grundlage dieses lebenslangen Lernens brauchen Jahre und Jahrzehnte, bis sie voll ausgereift sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Widewidewenne&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/#3-30256#Widewidewenne\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Geh\u00f6rsinn etwa ist bei der Geburt noch nicht voll entwickelt, weil vor allem noch die Markh\u00fcllen um die entsprechenden Nervenfasen fehlen. Ein Neugeborenes h\u00f6rt daher ungenauer als ein Erwachsener. Au\u00dferdem sind die f\u00fcr das H\u00f6ren notwendigen Verschaltungen in Hirnstamm, Mittelhirn und Gro\u00dfhirn noch nicht ausgebildet. Erst in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und in der Reifung des Nervensystems entwickelt sich das H\u00f6rsystem des Neugeborenen so weit, dass es sp\u00e4ter einmal so h\u00f6ren kann wie die Erwachsenen. Gefragt sind hier vor allem die Eltern, die mit dem Kind sprechen oder ihm etwas vorsingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Hoppe, hoppe Reiter&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/#0-30246#Hoppe,%20hoppe%20Reiter\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auch H\u00f6ren st\u00e4rkt die Bindung<\/h3>\n\n\n\n<p>Zwar sind die wichtigsten Sinneseindr\u00fccke f\u00fcr den neugeborenen S\u00e4ugling erst einmal der Tastsinn und der Geschmack, die zum Saugen an der Brust oder Flasche notwendig sind. Au\u00dferdem entwickeln S\u00e4uglinge bald ein relativ feines Geruchssystem und k\u00f6nnen zum Beispiel den Geruch der Mutter aus vielen anderen Ger\u00fcchen heraus sofort erkennen. Aber auch das H\u00f6ren \u2013 etwa der elterlichen Stimmen \u2013 ist f\u00fcr die soziale Bindung schon fr\u00fch von Bedeutung. Erst etwas sp\u00e4ter entwickelt sich das Sehen, da Menschenkinder im Gegensatz zu vielen Tierkindern lange getragen werden, bevor sie sich selbst fortbewegen k\u00f6nnen.<br>Noch deutlich l\u00e4nger braucht das sensomotorische System, also das Zusammenspiel von Bewegung und Sinneswahrnehmung. Eine voll entwickelte Sensomotorik haben erst Acht- bis Vierzehnj\u00e4hrige \u2013 so gro\u00df k\u00f6nnen die Schwankungen sein. Die meiste Zeit aber ben\u00f6tigt das Sozialverhalten: Dort, wo es programmiert wird, im unteren Stirnhirn, ist die Ausreifung erst im Alter von etwa 20 Jahren abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Stimulation statt Reiz\u00fcberflutung<\/h3>\n\n\n\n<p>Unser hochkomplexes menschliches Nervensystem braucht also zwei Jahrzehnte Zeit, bis es sich \u2013 in st\u00e4ndiger Auseinandersetzung mit seiner Umwelt \u2013 voll entwickelt hat. Deshalb ist f\u00fcr Kinder die entsprechende Stimulation unersetzlich. Das bedeutet aber nun nicht Reiz\u00fcberflutung durch Musik, Bilder, Filme etc. Vielmehr sollten Kinder den verschiedenen Sinnesreizen in bestimmten Episoden Zeit und Aufmerksamkeit widmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lied &#8222;Wer hat die sch\u00f6nsten Sch\u00e4fchen&#8220;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/#1-27788#Wer_hat_die_sch%C3%B6nsten_Sch%C3%A4fchen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ANH\u00d6REN<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Denn die Entwicklung von Hirn und Nervensystem l\u00e4uft nicht gleichf\u00f6rmig ab: Es gibt so genannte sensible Phasen, also besonders empfindliche Zeitperioden. F\u00fcr das Geh\u00f6r hei\u00dft das zum Beispiel: Wenn ein Kind bis zum Alter von vier oder f\u00fcnf Jahren nicht h\u00f6ren konnte, wird es zeitlebens Schwierigkeiten haben, etwa Sprachlaute zu differenzieren, selbst wenn es dann eine H\u00f6rprothese, ein so genanntes Cochlea-Implantat bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eckart Altenm\u00fcller erforscht die Auswirkungen von Musik auf das Gehirn. An der Staatlichen Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover leitet er das Institut f\u00fcr Musikphysiologie und Musikermedizin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Liedbeitr\u00e4ge mit freundlicher Genehmigung von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.liederprojekt.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">LIEDERPROJEKT.ORG<\/a>, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2. Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo\u00a0<a href=\"https:\/\/ganzohr.hfmt-hamburg.de\/index.php\/elterninfos\/geburt\/\">GEBURT<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel geh\u00f6rt zu Elterninfo&nbsp;GEBURT Das Kind kommt als scheinbar fertiger kleiner Mensch auf die Welt. Schon im Mutterleib hat es erste Erfahrungen gesammelt. Doch mit der Geburt beginnt die eigentliche Lernphase. Zu Beginn erlebt der S\u00e4ugling die Welt fast ausschlie\u00dflich \u00fcber seine Sinneseindr\u00fccke \u2013 Riechen, H\u00f6ren oder Schmecken. 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